Ein Brief vom Inkasso kann für Stress sorgen — aber keine Panik. In diesem Ratgeber erfährst du Schritt für Schritt, was ein Inkasso ist, welche Rechte du hast, worauf du achten solltest und wie du das Problem löst. Mit den richtigen Informationen behältst du die Kontrolle.
Was ist ein Inkasso? Definition und Bedeutung
Ein Inkassounternehmen — auch Forderungsunternehmen genannt — ist darauf spezialisiert, fällige Forderungen von säumigen Zahlern einzutreiben. Wer eine Rechnung nicht bezahlt und trotz Mahnungen nicht reagiert, wird früher oder später von einem Inkasso kontaktiert. Ab diesem Zeitpunkt übernimmt das Forderungsunternehmen die vollständige Kommunikation mit dem Schuldner.
„Inkasso” bedeutet allgemein die geschäftsmäßige Beitreibung von fälligen Forderungen. Das betrifft sowohl kleine Rechnungen als auch große Beträge — von der nicht bezahlten Telefonrechnung über das offene Fitnessstudio bis hin zu Forderungen aus einem Kredit. Gemeinsam mit dem Mahnwesen und der Debitorenbuchhaltung ist das Inkasso ein Teilbereich des Debitorenmanagements.
Wann kommt es zu einem Inkassofall?
Ein Inkassoverfahren entsteht nicht über Nacht. In der Regel durchläuft der Prozess mehrere Stufen über einen Zeitraum von etwa 6 bis 10 Wochen:
- Eine Rechnung aus einem Kauf oder einem laufenden Vertrag wird nicht fristgerecht bezahlt
- Trotz Zahlungserinnerung und mehrfacher Mahnung wird der offene Betrag nicht vollständig beglichen
- Der Schuldner kommt durch Nichtzahlung in Verzug
- Die Forderung wird nach abgelaufener Zahlungsfrist an ein Inkassounternehmen abgetreten
Es gibt normalerweise bis zu drei Mahnstufen, wobei die erste Zahlungserinnerung noch keine Mahnung ist. Bei der zweiten oder dritten Mahnung wird häufig bereits angedroht, die Forderung an ein Inkasso zu übergeben oder der SCHUFADie SCHUFA speichert Informationen über dein Zahlungsverhalten. Ein negativer Eintrag kann deine Kreditwürdigkeit beeinflussen. zu melden.
Die großen Inkassodienstleister wie EOS Inkasso, COEO Inkasso oder Tesch Inkasso senden bei Übernahme der Forderung eine sogenannte Forderungsaufstellung. Diese beinhaltet die offenen Forderungen sowie bisher angefallene Gebühren. Den Schreiben liegen oft Überweisungsformulare oder SEPA-Lastschriftmandate bei.
Das erste Schreiben vom Inkasso — was tun?
Wichtig: Ruhe bewahren. Gehe Schritt für Schritt vor, wenn du ein Inkassoschreiben erhalten hast:
1. Überprüfe das Inkassounternehmen
Bevor du in Unsicherheit gerätst, prüfe zuerst, ob das Inkasso tatsächlich existiert und seriös ist. Das erkennst du an Mitgliedschaften in Inkasso-Verbänden wie dem Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. oder dem Bundesverband für Inkasso und Forderungsmanagement e.V. (BFIF). Zusätzlich muss jedes Inkassobüro eine rechtliche Genehmigung besitzen, die du im Rechtsdienstleistungsregister einsehen kannst.
2. Überprüfe die Rechtmäßigkeit der Forderung
Ist das Inkasso seriös, prüfe als Nächstes die Forderung selbst. Schau dir an, wen das Inkasso vertritt, welche Forderung angemeldet wurde und ob diese tatsächlich existiert. Du musst nichts zahlen, wenn du auch nichts schuldest. Existiert kein Vertrag und keine offene Rechnung, kannst du der Forderung schriftlich widersprechen.
3. Plane die nächsten Schritte
Wenn sich bestätigt hat, dass das Inkassounternehmen rechtmäßig agiert UND die Forderung berechtigt ist, geht es in die Lösungsphase. Wichtig ist, den Kontakt aufrechtzuerhalten — aber unterschreibe nichts voreilig und gib keine Verpflichtungserklärungen ab. Plane finanziell, wie du die Schuld begleichen kannst, um den Prozess außergerichtlich abzuschließen.
Was darf ein Inkasso — und was nicht?
Das darf ein Inkasso
- Gebühren bei der Eintreibung berechtigter Forderungen verlangen — maximal in Höhe der Kosten eines Rechtsanwalts
- VerzugszinsenVerzugszinsen werden fällig, wenn du mit einer Zahlung in Verzug bist. Sie betragen aktuell 5 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz. von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz berechnen (aktuell 6,27 % p.a.)
- Vor-Ort-Besuche abhalten — jedoch ohne das Recht, dein Grundstück zu betreten
- Ratenzahlungsvereinbarungen und Vergleiche anbieten
Das darf ein Inkasso nicht
- Gebühren in willkürlicher Höhe ansetzen
- Bei unberechtigten Forderungen überhaupt Gebühren verlangen
- Dich bedrohen oder dein Grundstück betreten (Hausfriedensbruch)
- Rechtliche Schritte einleiten, wenn die Forderung nicht existiert
- Deine Daten an unberechtigte Dritte weitergeben (Datenschutz)
Wie hoch sind Inkassogebühren?
Für die Leistungen, die ein Forderungsunternehmen erbringt, darf es Inkassokosten erheben — vorausgesetzt, die Forderung ist berechtigt. Dem Einführungsgesetz zum Rechtsdienstleistungsgesetz zufolge dürfen Forderungsunternehmen die gleichen Kosten wie ein Rechtsanwalt verlangen.
Neben der Hauptforderung (dem offenen Rechnungsbetrag) können folgende Kosten anfallen:
- Verzugszinsen: Maximal 5 Prozentpunkte über dem BasiszinssatzDer Basiszinssatz wird von der Deutschen Bundesbank halbjährlich angepasst. Seit dem 01.01.2026 liegt er bei 1,27 %. — aktuell also maximal 6,27 % p.a. (Stand: Mai 2026)
- Mahnkosten: Keine feste gesetzliche Regelung, in der Regel nicht über 10 € pro Mahnung
- Auslagenpauschale: Für Porto und Auslagen, üblicherweise nicht über 27 €
Was passiert, wenn du nicht zahlst? Der gerichtliche Weg
Das Inkasso wird zunächst immer versuchen, die Schulden außergerichtlich einzutreiben. Das kann durch Zahlung per Lastschrift oder Überweisung geschehen. Viele Inkassounternehmen bieten auch Ratenzahlungsvereinbarungen an, wenn du die Forderung nicht sofort begleichen kannst.
Erst wenn das außergerichtliche Inkasso keinen Erfolg bringt — etwa durch Weigerung zur Zahlung oder fehlende Kommunikation — kommt es zum gerichtlichen Inkassoprozess. Im schlimmsten Fall bedeutet das ein Vollstreckungsverfahren mit folgenden Konsequenzen:
- Gerichtlicher Mahnbescheid — Ein DIN-A3-Brief vom zentralen Mahngericht (oft Coburg), der dir förmlich zugestellt wird. Gegen diesen kannst du Widerspruch einlegen, was aber nur bei einer unberechtigten Forderung sinnvoll ist.
- Vollstreckungsbescheid — Wird dem Mahnbescheid nicht widersprochen, folgt der Vollstreckungsbescheid. Damit erhält der Gläubiger einen vollstreckbaren Titel.
- Zwangsvollstreckung — Durch den Gerichtsvollzieher, inklusive möglicher Pfändung des verwertbaren Eigentums.
Wichtig: Im gerichtlichen Prozess musst du nicht nur den Rechnungsbetrag begleichen, sondern auch die Mahnkosten, die Inkassogebühren und die Gerichtskosten. Die Gesamtkosten können die ursprüngliche Forderung schnell übersteigen.
Darf ein Inkasso dein Konto pfänden?
Eine Kontopfändung erfolgt über einen sogenannten Pfändungs- und Überweisungsbeschluss, den der Gläubiger bzw. das Inkasso beim zuständigen Gericht beantragt. Bei einer Pfändung wird dein Konto bei der Bank in Anspruch genommen.
Allerdings gibt es einen Pfändungsschutz nach § 850c ZPO. Die aktuelle Pfändungsfreigrenze liegt seit dem 1. Juli 2025 bei 1.559,99 € monatlich (gültig bis 30. Juni 2026). Hast du weniger als diesen Betrag auf dem Konto, kann nicht gepfändet werden.
Wichtig: Um den Pfändungsschutz zu nutzen, musst du bei deiner Bank ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) gemäß § 850k ZPO beantragen. Ohne P-Konto greift der automatische Schutz nicht. Die Umwandlung deines bestehenden Girokontos in ein P-Konto ist in der Regel kostenlos und kann innerhalb weniger Tage erfolgen.
Inkasso und SCHUFA-Eintrag: Wann wird es gemeldet?
Ob und wann der SCHUFADie SCHUFA ist Deutschlands größte Auskunftei. Sie speichert Daten über dein Zahlungsverhalten und berechnet daraus deinen Score. ein negativer Eintrag gemeldet wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Der Gläubiger hat bereits vor der Inkasso-Übergabe die Möglichkeit, eine Meldung an die SCHUFA zu machen.
Typische Abläufe:
- Bei einem Ratenkredit: Die Übergabe an das Inkasso wird nach abgeschlossenem Mahnverfahren, Kreditkündigung und Abtretung gemeldet. Das SCHUFA-Merkmal lautet „UI” (Übergabe Inkasso).
- Bei Vertragspartnern (Telekom, Fitnessstudio etc.): In der Regel wird erst gemeldet, wenn das außergerichtliche Mahnverfahren erfolglos war und ein qualifizierter Saldo vorliegt.
- Im nächsten Schritt: Bei gerichtlichen Schritten folgt das SCHUFA-Merkmal „SD” (Saldo aus fälliger/rückständiger oder titulierter Forderung).
Ein negativer SCHUFA-Eintrag durch ein Inkasso kann erhebliche Auswirkungen auf deine BonitätBonität beschreibt deine Kreditwürdigkeit — also wie wahrscheinlich es ist, dass du Zahlungsverpflichtungen nachkommst. haben. Das erschwert unter anderem die Aufnahme neuer Kredite, den Abschluss von Verträgen und sogar die Wohnungssuche. Mehr zu den SCHUFA-Merkmalen findest du in unserem Ratgeber SCHUFA-Score einfach erklärt.
Kredit trotz Inkasso — ist das möglich?
Wer einen laufenden Inkassofall hat, fragt sich oft: Bekomme ich trotzdem einen Kredit? Die Antwort: Es ist schwieriger, aber nicht unmöglich. Ein Inkasso-Eintrag in der SCHUFA führt bei den meisten Banken zu einer Ablehnung. Es gibt jedoch alternative Wege:
- Kredit ohne SCHUFA: Einige Anbieter prüfen die SCHUFA nicht oder vergeben Kredite trotz negativer Einträge. Mehr dazu unter Kredit ohne SCHUFA.
- Kleinkredit: Für kleinere Beträge gibt es spezielle Anbieter, die auch bei eingeschränkter Bonität helfen. Infos unter Kleinkredit.
- Geld von Privat: Privatkredite über Plattformen, die nicht ausschließlich auf den SCHUFA-Score setzen. Mehr unter Geld von Privat.
Wichtig: Bevor du einen neuen Kredit aufnimmst, solltest du prüfen, ob die bestehende Forderung nicht zuerst beglichen werden kann. Ein weiterer Kredit bei laufendem Inkasso kann die finanzielle Situation verschärfen.
Bekannte Inkassounternehmen in Deutschland
Die Anzahl an Forderungsunternehmen in Deutschland ist hoch. Allein die Mitgliederliste des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. umfasst über 400 Mitglieder. Hier ein Überblick über die bekanntesten Inkassodienstleister:
So vermeidest du einen Inkassofall
Vorbeugen ist besser als hinterher zahlen. Mit diesen Maßnahmen reduzierst du das Risiko, dass eine Rechnung zum Inkassofall wird:
- Rechnungen sofort prüfen und Fristen notieren — richte dir Erinnerungen ein
- Daueraufträge oder Lastschriftmandate einrichten für wiederkehrende Zahlungen
- Zahlungsschwierigkeiten frühzeitig kommunizieren — die meisten Gläubiger sind vor der Inkasso-Übergabe gesprächsbereit
- Haushaltsbuch führen — wer seine Finanzen im Blick hat, gerät seltener in Zahlungsverzug
- SCHUFA regelmäßig prüfen — fehlerhafte Einträge frühzeitig erkennen
Häufige Fragen zum Thema Inkasso
Ein Inkassounternehmen wird eingeschaltet, wenn ein Schuldner trotz Mahnungen eine offene Forderung nicht begleicht. Nach etwa 6 bis 10 Wochen Zahlungsverzug und mehreren Mahnstufen wird die Forderung häufig an ein Inkasso abgetreten.
Ruhe bewahren und drei Schritte befolgen: 1. Prüfe, ob das Inkassounternehmen im Rechtsdienstleistungsregister eingetragen ist. 2. Prüfe, ob die Forderung berechtigt ist. 3. Wenn die Forderung berechtigt ist, plane die Zahlung — viele Inkassos bieten Ratenzahlung an.
Nicht automatisch. Der Zeitpunkt der SCHUFA-Meldung hängt vom Gläubiger und der Art der Forderung ab. Bei Ratenkrediten wird die Inkasso-Übergabe oft direkt gemeldet (Merkmal UI). Bei kleineren Forderungen erfolgt die Meldung häufig erst nach erfolglosem außergerichtlichem Mahnverfahren.
Inkassounternehmen dürfen maximal die gleichen Gebühren wie ein Rechtsanwalt verlangen. Bei einer Forderung von 450 € können das zwischen 22,50 € und 112,50 € sein, zuzüglich Auslagenpauschale und Verzugszinsen (aktuell max. 6,27 % p.a.).
Es ist schwieriger, aber nicht unmöglich. Einige Anbieter vergeben Kredite trotz negativer SCHUFA-Einträge. Prüfe jedoch zuerst, ob die bestehende Forderung beglichen werden kann, bevor du einen neuen Kredit aufnimmst.
Seit dem 1. Juli 2025 liegt die Pfändungsfreigrenze bei 1.559,99 € monatlich (gültig bis 30. Juni 2026). Um diesen Schutz zu nutzen, musst du bei deiner Bank ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) beantragen.
Stand: Mai 2026
